Ghosting

Ghosting – Das schnelle Beziehungsende

Spurlos verschwunden und unerreichbar: Ghosting heißt der Begriff, der das abrupte Ende einer Beziehung einläutet.

Die betroffene Person wird zurückgelassen, ohne jegliche Vorwarnung und Erklärung. Immer mehr Menschen werden Opfer dieser feigen Verhaltensweise – manche davon haben es vielleicht schon selbst angewendet. Der folgende Beitrag befasst sich mit dem Thema Ghosting und wie Betroffene damit umgehen können.

Was steckt hinter dem Begriff „Ghosting“?

Ghosting beschreibt die Verhaltensweise, einen Partner einfach ohne jegliche Vorwarnung fallen zu lassen. Es wird weder auf Nachrichten geantwortet, noch auf Anrufe reagiert – als hätte die Person gar nie im Leben des Betroffenen existiert.

Das Traurige daran: Ghosting kann nicht nur nach zahlreichen Dates geschehen, sondern kommt selbst bei jahrelangen Beziehungen vor. An einem Tag werden noch Pläne für die Zukunft geschmiedet – am nächsten Tag kann bereits alles vorbei sein.

Auch wenn viele den Begriff “Ghost” als neu bezeichnen, geben tut es diesen dennoch schon seit dem Jahr 2011. Dort tauchte er das erste Mal in einem Online-Portal auf. Seither wird die Beschreibung immer häufiger verwendet, um das respektlose und feige Verhalten einer Person zu beschreiben. Denn so wie es aussieht, ist es für viele Menschen einfacher, sich aus dem Staub zu machen als der anderen Person gegenüberzutreten.
Geschichte

Ghosting ist absolut kein neues Phänomen der heutigen digitalen Zeit. Früher, als die Internet-Kultur noch in den Kinderschuhen steckte, wurden andere Methoden genutzt, um das Gegenüber sitzen zu lassen.

Heutzutage wird einfach nicht mehr auf Nachrichten oder Anrufe reagiert. Wer schon einmal auf einer Online-Dating-Seite unterwegs war, gehört vermutlich ebenfalls zu den 80 Prozent, denen bereits ein „Ghost“ in die Quere gekommen ist.

Warum wird Ghosting betrieben?

Manchen Menschen ist es einfach zu anstrengend, sich mit dem Partner auseinander zu setzen – in anderen Fällen ist es auch Feigheit. Insgeheim haben sich diese Personen dazu entschlossen, dass die Beziehung für sie keine Zukunft hat und wollen den Partner nun so schnell es geht wieder loswerden.

Falls erst ein paar Dates stattgefunden haben, glaubt der „Ghost“ oftmals, dem Gegenüber keine Erklärung schuldig zu sein und macht sich einfach so aus dem Staub. Für andere wiederum ist es schlichtweg zu mühsam, eine Aussprache mit einer Person zu halten, die sie kaum kennen.

Wie bereits erwähnt, kann Ghosting natürlich auch bei bestehenden Beziehungen vorkommen. In diesem Fall ist der Partner entweder zu feige, seine Gefühle offenzulegen oder er glaubt, den Liebespartner auf diese Weise weniger zu verletzen.

Weitere Gründe für Ghosting

Bindungsangst

Manche Menschen, die Ghosting betreiben, haben selbst unangenehme Erfahrungen in der Vergangenheit miterlebt. Sie können daher nicht mit Nähe umgehen und fühlen sich mit der gesamten Situation überfordert.

Narzissmus

Der Ghost denkt nur an sich selbst und es ist ihm egal, ob er das Gegenüber verletzt oder nicht. Es scheint für diese Personen der einfachste Weg zu sein, sich aus einer formenden oder bereits bestehenden Beziehung zu schlängeln.

Gibt es mögliche Warnsignale für Ghosting?

Oftmals sind Ghosting-Anzeichen relativ offensichtlich. Wer daher folgende Zeichen bemerkt, sollte vorsichtig sein:

1. Lügen

Der Partner sieht Fehler nicht ein oder hat kein Interesse an etwaigen Auseinandersetzungen. Ein potenzieller Ghost kann dazu tendieren, viel zu lügen.

2. Desinteresse

Ein zukünftiger Ghost interessiert sich nicht für die Bedürfnisse und Gefühle des Gegenübers.

3. Egozentrisch

Ist der Partner besonders ich-bezogen oder empfindlich, kann dies auf zukünftiges Ghosting hindeuten.

4. Entzieht sich Konflikten

Kommt es in der Beziehung zu Konflikten, entzieht er sich seiner Meinung und geht gar nicht erst auf den Partner ein.

5. Unverbindlichkeit

Der Partner setzt sich nicht für die Beziehung ein – in manchen Fällen leugnen sie diese sogar.
Ghosting – So wirkt es sich auf Betroffene aus

Neben einem geschädigten Selbstwertgefühl ist es für eine geghostete Person nicht selten ein traumatisches Erlebnis. Zusätzlich bedeutet es für den Verlassenen, mit unzähligen Fragen zurückzubleiben und vermutlich niemals eine Antwort auf das „Warum“ zu bekommen.

Einige Psychologen sehen Ghosting sogar als Form eines emotionalen Missbrauchs an. Betroffene geben sich die Schuld an diesem Verhalten und suchen die Fehler ebenfalls bei sich selbst. Wer würde das nicht tun, wenn sich der Partner plötzlich aus heiterem Himmel verabschiedet?

Das Resultat: ein gekränktes Ego und verletztes Selbstbewusstsein. Noch dazu sorgt dieses traumatische Erlebnis oftmals dafür, alle kommenden Beziehungen kritisch zu betrachten. Möglicherweise fürchten sich Betroffene sogar vor einer neuen Beziehung, da ihnen dasselbe immer und immer wieder passieren könnte.

Wie soll ich mit Ghosting umgehen?

In den meisten Fällen meldet sich ein „Ghost“ nie mehr wieder, daher sollten Betroffene nicht zu zu viel Kraft und Energie verschwenden. Zwar ist dieses Verhalten alles andere als fair, dennoch sollten Verlassene unter keinen Umständen anfangen, an sich selbst zu zweifeln.

Es ist ebenfalls ratsam, den „Ghost“ nicht mit Nachrichten und Anrufen zu bombardieren. Das wirkt nicht nur verzweifelt, sondern zieht den Betroffenen nur noch weiter runter – besonders, wenn keine Antwort zurückkommt.

Menschen, die geghostet werden, müssen verstehen, dass der Ghost es einfach nicht wert ist.

Natürlich ist das relativ schwer, wenn die Person einige Zeit lang an der Seite war – besonders in diesem Fall wäre eine Erklärung mehr als angebracht. Aber dieses Verhalten beweist nun mal, dass die Person nicht die oder der Richtige war.

Wer daher mit Ghosting zu kämpfen hat, sollte vielleicht einen letzten Kontaktversuch ergreifen. Kommt allerdings keine Antwort zurück, ist es vermutlich am besten, mit dieser Situation abzuschließen. Auch wenn es noch so weh tut, der Schmerz wird eines Tages vergehen.