Sneating im Restaurant

Sneating – Das verbirgt sich hinter diesem Dating Trend

Im digitalen Zeitalter begeben sich viele Menschen online auf Partnersuche: Kein Wunder also, dass Singlebörsen und Partnersuch-Portale boomen. Nicht immer meinen es aber alle, die sich dort anmelden und Kontakte knüpfen, auch wirklich ernst. Seit einiger Zeit breitet sich ein fragwürdiger Trend aus, der vor allem von Frauen ausgeübt wird: Beim sogenannten Sneating geht es nicht darum, einen potenziellen Partner kennenzulernen, sondern darum, sich zu einem möglichst teuren Essen einladen zu lassen.

Was bedeutet „Sneating“ eigentlich genau?

Der Begriff „Sneating“ leitet sich ab von den englischen Worten „sneaky“ (hinterlistig) und „to eat“ (essen). Wenn man dies weiß, ist bereits klar, worum es sich bei diesem nicht ganz so neuen Dating-Trend handelt: Eine Person erschleicht sich ein kostenloses Essen unter dem Vorwand, Interesse am Gegenüber zu haben. Meist läuft Sneating folgendermaßen an: Das Kennenlernen erfolgt über das Internet, wo zunächst eine Weile gechattet und vielleicht auch telefoniert wird. Kommt es zu einem ersten Date, wird dafür ein teures Restaurant gewählt. Meist ist es die Frau, die sich in ein solches ausführen lässt. Nach dem Essen begleicht der Mann gentlemanlike die hohe Rechnung – danach bricht die Frau den Kontakt ab. Oftmals steckt sogar System dahinter, und es gibt Frauen, die sich regelmäßig mit immer neuen Männern treffen, um kostenlos in guten Restaurants speisen zu können.

Warum funktioniert Sneating so gut?

Dass das Sneating immer wieder zu klappen scheint, liegt an alten Geschlechterrollen und damit verbundenen Klischees. In der Vergangenheit gehörte es zum guten Ton, dass der Mann die Frau bei einer Verabredung einlud und fast selbstverständlich die Rechnung beglich. Noch heute fühlen sich viele Männer dazu verpflichtet, die Kosten für ein erstes Date zu tragen – das gilt noch einmal mehr, wenn sie die Frau sehr attraktiv finden oder bereits Gefühle für diese entwickelt haben. Wer etwas auf sich hält, wird also in den meisten Fällen darauf bestehen, für das Essen und die Getränke zu zahlen: Eine Tatsache, die sich immer mehr Frauen zunutze machen. Sneating steht bereits seit 2011 als fester Begriff im Urban Dictionary; die Fälle nehmen aber immer weiter zu. In einschlägigen Foren prahlen weiblicher Sneater mit ihren Erfolgen. Einige geben an, auf diese Weise bereits mehr als 40 Mal kostenlos in Restaurants gespeist zu haben.

Sneating oder einfach nur ein schlechtes erstes Date?

Ein Geheimrezept gegen Sneating gibt es nicht. Dennoch können Männer beim ersten Date auf einige Alarmzeichen achten, die darauf hindeuten könnten, dass ihr Gegenüber gar kein echtes Interesse hat. Schlägt die Frau für das erste Treffen bewusst ein sehr teures Restaurant vor, kann dies bereits ein Warnzeichen sein – besonders dann, wenn alternative und vor allem günstigere Vorschläge konsequent ausgeschlagen werden. Kommt es zu einem Treffen und bestellt die Frau bewusst sehr teure Speisen und Getränke, könnte es sich ebenfalls um Sneating handeln. Darüber hinaus zeigt sie wenig Interesse an ihrem Dating-Partner, stellt kaum Fragen und sendet auch sonst keine Flirtsignale. Dies kann unter Umständen aber natürlich auch der Fall sein, wenn die Chemie zwischen den beiden Verabredeten nicht stimmt: So ist es nicht immer ganz einfach, Sneating von einem schlecht gelaufenen Date zu unterscheiden.

Wenn es an das Bezahlen geht, gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen von Sneatern. Einige bieten ihrem Gegenüber an, die Hälfte der Rechnung zu übernehmen und setzen dabei auf die bereits erwähnten Rollenklischees: In den meisten Fällen wird der Mann darauf bestehen, alles zu bezahlen. Andere Frauen mit Sneating-Absichten warten einfach ab und ignorieren die Rechnung, bis der Mann diese begleicht, oder sie suchen die Toilette auf und bleiben dort solange, bis sie sicher sein können, dass bereits bezahlt wurde, wenn sie zurückkommen. Anschließend verabschieden sie sich sehr schnell und brechen den Kontakt ab. Ist dies der Fall, ist der Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit Opfer von Sneating geworden.

Wie kann man sich vor Sneating schützen?

Wer sich mit jemandem aus dem Internet zu einem ersten Date verabredet, läuft theoretisch immer Gefahr, an einen Sneater zu geraten. Es gibt aber durchaus einige Möglichkeiten, das Risiko bereits im Vorfeld deutlich zu reduzieren. So kann etwa vorab abgesprochen werden, dass die Rechnung geteilt wird, wenn das Date in einem hochpreisigen Restaurant stattfinden soll. Haben beide gleichermaßen ernsthaftes Interesse an einem Kennenlernen, dürfte eine solche Absprache kein Problem darstellen, vor allem nicht im Sinne der Gleichberechtigung. Befürchtet der Mann, er könne Sneating-Opfer werden, kann er zudem vorschlagen, das erste Treffen in einer Eisdiele oder einem Café stattfinden zu lassen. Selbst wenn er hier die Rechnung übernimmt, halten sich die Kosten in Grenzen – professionelle Sneater werden hier direkt absagen, da sich der Aufwand für ein paar Euro für diese nicht lohnt.

Sneating führt zu ganz unterschiedlichen Meinungen. Während manche es ganz selbstverständlich finden, dass der Mann in jedem Fall die Rechnung beim ersten Date übernimmt, sprechen andere von Betrug. Es spricht sicherlich nichts dagegen, sich beim Kennenlernen einladen zu lassen, auch wenn die Rechnung vielleicht etwas höher ausfällt. Vorsätzlich Männer anzuschreiben und sie zu kostenintensiven Dates zu überreden, ist dagegen doch sehr fragwürdig – immerhin geht es beim Dating nicht nur um Geld, sondern oftmals auch bereits um Gefühle.